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1919 bis 1939 Vor rund hundert Jahren sollte das "deutsche Wesen" der ganzen Welt zum Vorbild gereichen. Ein ähnlich missionarischer Anspruch ging von der Kirche aus. Der wilhelminische Kolonialismus fand seinen späten Niederschlag in einer Serie von Comicbüchern mit den Reiseabenteuern des "Onkel Bleise".
Addenda
In den 1920er und 30er Jahren war Paul Simmel einer der bekanntesten deutschen Karikaturisten. Er wirkte stilbildend für viele, die ihm nacheiferten. In seinem überwiegend aus Cartoons bestehenden Werk finden sich auch Comics, darunter zwei längere Serien.
Als Autor des Bestsellers "Im Westen nichts Neues" wurde Erich Maria Remarque Ende der 1920er Jahre eine international bekannte Persönlichkeit. Dass Remarque in den Jahren zuvor auch Comics getextet hatte, spielte fortan in seinem offiziellen Lebenslauf keine Rolle mehr.
In älterer Literatur zum Comic liest man in der Regel, erst nach 1945 habe es im deutschsprachigen Raum Sprechblasencomics gegeben. Neuere Forschungsergebnisse widerlegen das. In Österreich war die Sprechblase bereits in den 20er Jahren eingeführt. "Familie Riebeisel" erschien kurzzeitig auch in Deutschland.
Mit "Tobias Seicherl" erschuf er den vermutlich ersten politischen Tagesstrip der deutschsprachigen Comicgeschichte. Auf die politische Dimension der Frühzeit dieses Strips ist der Wiener Ladislaus Kmoch denn auch stets reduziert worden. Doch sein Werk ist vielschichtiger; es reicht weit über "Seicherl" hinaus.
Ausgerechnet in der Gartenlaube erschien Ende der 1930er Jahre ein Comic, der auf amerikanische Vorbilder verweist und in der Comicliteratur der Zeit die große Ausnahme ist. "Famany", der "erste deutsche Bildroman", wendet sich offenbar an den erwachsenen Leser.
Eckart Sackmann:
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Er war in den 20er und 30er Jahren einer der innovativsten Comiczeichner in
Deutschland. Sein Schaffen erstreckt sich über ein halbes Jahrhundert. Und dennoch finden sich heute kaum Hinweise zu Emmerich Huber, die das überlieferte Werk mit der Person des Zeichners verknüpfen könnten.
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Dass ein deutscher Zeichner während der 1930er Jahre einen Sprechblasenstrip in einer großen Berliner Tageszeitung laufen hatte, will nicht in das Bild passen, dass wir bisher von der Rolle des Comic während der Nazizeit haben. Der Schöpfer dieses Strips, Hans Kossatz, war in mancher Hinsicht ein Ausnahmezeichner.
Er hat kaum Comics geschaffen und ist Sammlern eigentlich nur wegen zweier bald nach dem Krieg erschienener Hefte bekannt. Mit diesen zählte er allerdings zu den ersten deutschen Comiczeichnern, die nach 1945 eine hierzulande bis dahin fast fremde Form des Erzählens aufgriffen.
Die Arbeiter Illustrierte Zeitung (AIZ) propagierte den Kampf des Proletariats, doch war ihr gleichermaßen an einer Aufklärung und Schulung des ästhetischen Bewusstseins der Arbeiter gelegen. Politisch waren auch die zu Beginn der 30er Jahre eigenproduzierten Comics des Blattes.
Der Abenteuercomic, so lehren es viele Sekundärwerke, hatte seine Geburtsstunde am 7. Januar 1929 mit dem Beginn von "Tarzan" und "Buck Rogers". Das ist falsch. Abenteuerserien gab es lange vorher. Hier ein Blick auf den Papagei, eine Wiener Comiczeitschrift für Kinder der 1920er und 30er Jahre.
Vor 1935 beherrschte ein Maler und Grafiker Deutschlands Tages- und Wochenzeitungen: Walter Trier. Bis heute wird er als Kästner-Illustrator gefeiert und geliebt, doch dass er schon viel früher ganz anders konnte - auch das, was man heute Comic nennt -, wissen nur die wenigsten.
Genossenschaften entwickelten in den 1920er und 30er Jahren durchaus ideologische Züge. Kindern und ihrer Lektüre galt deswegen besondere Aufmerksamkeit. Nach 1933 wurde die auch Bildergeschichten transportierende Kinderbeilage der Mitgliederzeitschrift Genossenschaftsfamilie für andere Ziele missbraucht.
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Die Abenteuer der "5 Schreckensteiner" sind Barlogs bekannteste Bildergeschichten. Die Karriere des Zeichners beginnt jedoch bereits in den 20er Jahren und führt über die Berliner Illustrirte und zweifelhaften Soldatenhumor während des Dritten Reiches bis zu harmlosen Witzzeichnungen in der Nachkriegszeit.
Eckart Sackmann:
Er war eines der großen Talente des Comic in Deutschland, sowohl vor als auch nach dem Krieg. Da er vor allem für die Presse tätig war, kennt dennoch kaum jemand seinen Namen. Was für ein Mensch dieser Max Otto war, bleibt trotz neuer Erkenntnisse weitgehend ein Rätsel.
Der gebürtige Wiener Otto Waffenschmied war einer produktivsten Comiczeichner und -autoren der 1930er Jahre. Als Hauptwerk gilt die langlebige, in Zusammenarbeit mit seiner Frau gestaltete Kinderzeitschrift Dideldum. Erfolg hatte der vielseitige Waffenschmied aber auch mit einem Theaterstück für Kinder.
Nur wenige US-amerikanische Comics fanden zwischen den Kriegen ihren Weg nach Deutschland. Martin Branners "Winnie Winkle" war so eine Ausnahme. Nach Einstellung der hierzulande als "Kalle, der Lausbubenkönig" bekannten Originalserie zeichnete der Deutsche Otto Schoff kurzzeitig einen Nachfolgestrip.
Mit dem "Familienkater" Oskar schuf der Frankfurter Carl Fischer - genannt Cefischer - eine der populärsten Comicfiguren der Nachkriegszeit. Fischer begann seine Karriere in den 20ern. Ein schreckliches Schicksal führte dazu, dass er seinen "Oskar" mit dem Mund zeichnen musste - er hatte im Krieg beide Arme verloren.
Die Leser der Unterhaltungszeitschrift Das kleine Magazin stießen im Frühjahr 1925 auf Ungewohntes. Einen Sprechblasencomic von der Art der "Erlebnisse unseres Spezialreporters" hatte es in Deutschland noch nicht gegeben. Urheber der Strips war vermutlich der gebürtige Russe Paul Peroff.
Unter dem Titel "Schicksal" erschien 1926 eine "Geschichte in Bildern" von Otto Nückel, die zu den innovativsten Schöpfungen deutscher Druckgrafik und Illustrationskunst aus der Zeit der Weimarer Republik zählt. Im Gegensatz zu den Arbeiten Frans Masereels ist dieses Werk hierzulande heute fast vergessen.
Ende der 1920er Jahre entstand für die Firma Darboven eine langlebige Reihe von Bilderbogen mit einer Kaffeebohne - der Darbohne - als Titelheldin. Nach dem Krieg setzte der bekannte Grafiker Hans Held die Reihe der Darbohne-Comics fort, die in moderner Form seit kurzem von Marc Buchner gestaltet werden.
Traditionell sind die seit dem 15. Jahrhundert verbreiteten Totentanzdarstellungen additiver Natur. Anders eine von Alfred Rethel 1849 geschaffene Bildfolge mit zeitgenössischen Bezug, die ihrerseits die Totentanz-Zyklen von Eduard Ille (ebenfalls 1849) und von Richard Schwarzkopf (1936) prägte.
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Copyright © 2009 Verlag Sackmann und Hörndl |